Zum Abschluss unserer drei Wochen Thailand wollen wir uns drei faule Tage an einem Strand gönnen. Da wir aber Hotelburgen und Massentourismus meiden wollen, habe ich bereits im Vorfeld eifrig recherchiert und bin schließlich auf die vom Tourismus weitgehend unberührte Insel Ko Pu gestoßen.
Schon die Anfahrt zur Insel ist abenteuerlich. Die Fahrt von unserem Hostel zum Laem Kruat Pier führt uns durch eine ländliche Gegend, die – ganz ähnlich wie auch die Stadt Krabi – definitiv schon bessere Zeiten erlebt hat. Es sieht so aus, als hätte sich das gesamte Gebiet immer noch nicht vom großen Tsunami im Jahr 2004 erholt. Überhaupt ist es ein mulmiges Gefühl, zu wissen, was hier vor über 20 Jahren Schlimmes passiert ist und dass sich das theoretisch jederzeit wiederholen kann…
Aber ich schiebe diese Gedanken schnell zur Seite, und als wir am Pier ankommen, muss ich sowieso erst einmal schauen: wir sind tatsächlich im ursprünglichen Thailand gelandet! Die Hütten am Anlegeplatz wirken so, als ob sie jederzeit zusammenbrechen könnten und die Hygiene entspricht generell nicht europäischen Standards.

Außer uns sehe ich hier nur sehr wenige Touristen und ansonsten lauter Einheimische, die sehr geschäftig allerlei Waren auf das Longtailboot aufladen: Wasser, Obst, allerlei Nahrungsmittel, ein Moped und vor allem – Eier. Neben unseren Rucksäcken und unter unseren Füßen, überall stapeln sich die Eierkartons, und es ist mir wirklich schleierhaft, wer diese unzähligen Eier essen soll!

Die Fahrtzeit zur Insel beträgt gut 40 Minuten und führt uns vorbei an kleinen, mit Mangroven bewachsenen Inseln. Das Wasser ist braun und brackig und nicht wirklich einladend – ich hoffe, dass das am Strand unserer Insel anders ist!
Auf der Insel warten TukTuks und Taxis. Eigentlich wollen wir ein TukTuk nehmen, doch ein Taxifahrer überzeugt uns davon, zu unserer Unterkunft besser mit ihm zu fahren, da der Weg ziemlich „bumpy“ ist. Wie recht er hat, sehen wir eine Viertelstunde später. Der Abzweiger zu unserem Bungalow führt über ausgewaschene Feldwege, die steil bergab und bergauf führen, und wir müssen uns gut festhalten und hoffen, dass der Wagen nicht umfällt!
Unsere Unterkunft, das am Sunset Beach gelegene Coral Beach Resort, habe ich bereits Wochen zuvor auf booking.com gebucht. Leider liegen die Bungalows nicht wie erhofft direkt am Meer, aber es sind nur etwa 20 Meter und man kann die Brandung zumindest hören.

Der Strand selbst ist wunderschön. Die ca. 500 Meter weißen Sandes werden zu beiden Seiten von Felsen begrenzt. Neben unserem „Resort“, das eine Bar direkt am Strand und etwa 15 einfache Bungalows umfasst, gibt es am Strand noch eine Handvoll ähnlicher Anlagen. Die Bars sind ebenso einfach wie phantasievoll: aus einem Mix aus bestehenden Felsen, Bambus, Stofffetzen und viel Treibholz wurden bilden sie ein wildes Sammelsurium aus Bänken, Tischen, Schaukeln und Hängematten, das in seiner Gesamtheit unglaublich harmonisch wirkt. Genau so etwas habe ich gesucht, und da macht es dann auch nichts aus, dass unser Zimmer im Bungalow keine Klimaanlage hat. Und sogar mit den Eidechsen, die durch die fingerdicken Spalten in den Wänden ins Zimmer rein- und raushuschen, freunde ich mich einigermaßen an. Den Gedanken, was an Getier hier noch reinkommen könnte, schiebe ich aber lieber weit weg…

Die Tage auf der Insel sind sehr erholsam. Weil tun kann man hier außer am Strand spazieren, im Liegestuhl liegen oder in einer Bar sitzen absolut nichts. Um ins nahegelegene Dorf oder ans andere Ende der Insel zu kommen, müsste man mühsam ein Taxi oder ein TukTuk am anderen Ende des Strandes organisieren, aber da die vergangenen drei Wochen sowieso ziemlich anstrengend waren, bleiben wir einfach hier und lassen es ruhig angehen.
Trotzdem haben wir schon am zweiten Tag eine Art Struktur entwickelt: Wir stehen früh auf, spazieren über den menschenleeren Strand, frühstücken in einer der Bars und erledigen am Vormittag in Ruhe unsere Arbeit. Dann gibts irgendwann Mittagessen und dann ist faulenzen angesagt! Ins Wasser kriegt mich Manfred nur einmal und auch das nur kurz – wegen der vielen Steine, die im Sand liegen, ist es vor allem bei Ebbe ziemlich mühsam, ins Wasser zu kommen. Was mich aber noch mehr abschreckt, sind die unzähligen kleinen Krebse, die durch den Strand huschen, und vor allem die handtellergroßen Quallen…

Höhepunkt des Tages ist – wie es sich für den Sunset Beach gehört – der Sonnenuntergang. Am allerschönsten ist er von der abenteuerlichen Bar aus, die auf einem Felsen im seichten Wasser aus Treibholz gezimmert wurde. Eine sehr wacklige, aber auch sehr romantische Angelegenheit! Und vor allem können einem hier die Sandfliegen, die in der Dämmerung hochaktiv sind, nichts anhaben.

Auch am Abend gibt es hier nichts zu tun. Noch eine Kleinigkeit essen, noch einmal den Strand auf- und abspazieren (und dabei auf die Steine achten!), noch einmal gemütlich am Strand im Liegestuhl liegen, dabei den Wellen lauschen und den wunderschönen Nachthimmel betrachten – mehr braucht es nicht zum Glücklichsein!
Und trotz aller Idylle bin ich froh, dass wir nach drei Nächten wieder abreisen. Drei Tage einfach nichts tun ist zwar wirklich sehr entspannend, aber auf Dauer auch ein bisschen langweilig für mich…

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