Ein entspannter Start – vorerst
Dass die Reise von Vientiane nach Nong Khiaw im Norden von Laos mühsam wird, war uns klar. Wie mühsam sie dann aber tatsächlich wird, das hat uns doch überrascht.
Dabei beginnt der Tag ganz entspannt: Ein LOCA (so heißt das Uber-Pendant in Laos) bringt uns ohne Zwischenfälle zum neuen Bahnhof, der unverständlicherweise etwa 20 Kilometer außerhalb der Stadt liegt. Er wurde – ebenso wie der Hochgeschwindigkeitszug, der die Hauptstadt Vientiane mit der alten Königsstadt Luang Prabang verbindet – von den Chinesen erbaut und stellt eine enorme Verbesserung der Infrastruktur in Laos dar.
Der falsche Reisetag
Vor dem Eingang steht eine lange Schlange von Menschen, die ebenso wie wir den Zug um 9:50 nehmen wollen. Das stört uns überhaupt nicht – wir haben ausreichend Zeit und stellen uns völlig entspannt an. Es geht auch zügig voran, und der Schock kommt erst, als ich dem Schalterbeamten unsere Tickets zeige: Sie sind nicht auf heute, sondern erst auf morgen ausgestellt!
Jetzt werden wir natürlich nervös. Wir entscheiden, dass Fred beim Gepäck bleibt und ich zum weiter hinten liegenden Ticketschalter laufe. Dort ist man weder an meinem Problem sonderlich interessiert noch spricht man Englisch. Nach einigem Hin und Her stellt sich zu meiner großen Erleichterung heraus, dass es für „unseren“ Zug um 9:50 noch Tickets gibt.
Bis der Kauf schließlich abgewickelt ist, wird es allerdings sehr knapp. Ich sprinte mit den Tickets in der Hand zurück zu Fred. Noch schnell das Gepäck durch die Kontrolle, weiter zum Zug – und kurz vor der Abfahrt springen wir in unser Abteil. Geschafft!
Durchatmen im Zug
Im Zug können wir ein bisschen runterkommen und entspannen. Die Sitze sind bequem, und wir fahren durch eine wunderschöne Landschaft – vorbei an Reisfeldern, Flüssen und beeindruckenden Karstbergen.
Fast zu schnell finden wir uns auf dem hektischen Bahnsteig von Luang Prabang wieder, wo wir direkt in den nächsten LOCA zum Busbahnhof springen.
Der Bus – und die Sache mit den Beinen
Dort haben wir wirklich Glück: Der nächste (und für diesen Tag letzte) Bus nach Nong Khiaw steht bereits bereit. Für eine schnelle Pinkelpause reicht es noch, zum Proviantkaufen bleibt keine Zeit mehr.
Fred freut sich zunächst über den mittleren Platz in der letzten Reihe – dort kann er seine langen Beine gut ausstrecken. Immerhin soll die Fahrt rund drei Stunden dauern. Die Freude währt allerdings nicht lange. Kurz vor der Abfahrt füllt sich der Bus so sehr, dass in der Mittelreihe zusätzliche Notsitze ausgeklappt werden. Jetzt hat er seine Beine praktisch bei den Ohren.

Wir vereinbaren, dass wir in der Pause wechseln – aber bis dahin muss er in dieser Position verharren. Und auch auf meinem Platz wird es zunehmend kuschelig …
Rumpeln, Hitze und kein Entkommen
Um 12:45 fährt der Bus schließlich ab. Die Fahrt beginnt rumpelig, und es herrscht überraschend viel Verkehr. Vor allem aus der Gegenrichtung kommen unzählige schwer beladene LKW – vermutlich auch die Hauptursache für den extrem schlechten Zustand der Straße. Kein Wunder – denn wie wir erst später erfahren, verläuft der ganze Schwerverkehr von Nordlaos nach China über diese Route. Nicht selten kommt es vor, dass eines der schwerbeladenen Fahrzeuge kippt oder die Achse bricht. Auch wir kommen an einem liegengebliebenen LKW vorbei. Am meisten tun mir aber die Leute leid, die an dieser Straße wohnen müssen: wenn sogar die Kiosk-Betreiber es aufgegeben haben, ihre Waren vom allgegenwärtigen Staub zu befreien, möchte ich nicht wissen, was dieser mit den Lungen der Leute anstellt…
Obwohl unser Chauffeur wirklich vorsichtig fährt, rumpelt und pumpelt es im Bus, dass es eine Freude ist. Manche Schlaglöcher sind so tief, dass es mich fast bis an die Decke schleudert. Fred in der letzten Reihe bekommt das Geholper besonders stark ab und spürt nach einer Weile weder Rücken noch Knie.

Noch mehr als die Rumpelei macht mir allerdings die Hitze zu schaffen – auf meiner Seite brennt die Sonne ungehindert in den Bus.
Die ersehnte Pause
So geht es etwa dreieinhalb Stunden dahin. Wir müssen inzwischen wirklich dringend aufs Klo, und die ewige Hüpferei macht es nicht besser.
Endlich – gerade als wir schon glauben, dass wir ohne Pause durchfahren – bleibt der Bus stehen. Wir recken und strecken unsere steifen Glieder und stürzen uns gierig in ein kleines Essensgeschäft. Kalte Getränke, Nüsse, Kekse – und als besonderer Luxus sogar ein Eis. Köstlich!
Und jetzt kann es ja wirklich nicht mehr lange dauern … glauben wir zumindest.
Der Patschen
Doch eine knappe halbe Stunde nachdem wir unsere Rumpelfahrt wieder aufgenommen haben, bleibt der Bus in einem kleinen Dorf plötzlich stehen – und schiebt rückwärts in eine Autowerkstatt.
Oh oh …
Es stellt sich heraus: Der innere der beiden Hinterreifen hat einen Patschen. Kein Wunder bei all den Schlaglöchern und Steinen auf der Straße.

Durch die starke Abnutzung sind die Schrauben des äußeren Reifens allerdings so festgefressen, dass vier Männer abwechselnd mit einem Bohrer und einer langen Eisenstange arbeiten müssen, um sie zu lösen. Dasselbe Spiel folgt beim inneren, kaputten Reifen.
Als dieser schließlich abmontiert ist, geht es plötzlich ganz schnell – und nach etwa einer Stunde ist der Bus wieder fahrbereit.
Endspurt ins Dunkel
Fast freuen wir uns jetzt über das inzwischen vertraute Geholper – es bedeutet zumindest, dass wir unserem Ziel ein Stück näherkommen.
Von den geplanten drei Stunden Fahrtzeit haben wir uns längst verabschiedet. Auch davon, noch bei Tageslicht anzukommen. Als wir schließlich um 18:45 in Nong Khiaw einfahren, ist es stockfinster – und wir völlig erledigt.

Statt des erwarteten Abendbummels holen wir uns nur noch schnell etwas zu essen und fallen anschließend glücklich ins Bett.
Ankommen im kleinen Paradies
Unsere Unterkunft, die wir bereits im Vorfeld gebucht haben, liegt zwar etwas abseits, entschädigt uns aber sofort für die Strapazen des Tages: Ein Floating Bungalow direkt am Nam Ou. Es fühlt sich an wie ein kleines Stück Luxus – und zufrieden lasse ich mich vom sanften Wiegen der Wellen in den Schlaf schaukeln.

Unterkunft in Nong Khiaw
Wir haben in einem kleinen Floating Bungalow direkt am Nam Ou übernachtet – ruhig gelegen, mit Blick auf die Berge und perfekt, um nach dieser doch etwas abenteuerlichen Anreise runterzukommen.
Wenn ihr etwas Ähnliches sucht, könnt ihr euch die Unterkunft hier ansehen.
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