Das Boot von Nong Khiaw nach Muang Ngoi fährt zweimal täglich, um 11 Uhr und um 13:30. Wir nehmen das Frühboot, damit wir noch bei Tageslicht ausreichend Zeit haben, um uns zu akklimatisieren. Man hat uns gesagt, dass die Fahrtkosten pro Person 70.000 Kip betragen, und wir staunen nicht schlecht, als der Mann am Ticketschalter den Preis vor unseren Augen von 70.000 auf 90.000 Kip korrigiert.
Allerdings überrascht uns das angesichts der aktuellen Situation gar nicht so sehr. Die Treibstoffversorgung in Laos ist derzeit angespannt, die Preise sind innerhalb kurzer Zeit stark gestiegen, und vielerorts kommt es zu Engpässen. Auch wir sind davon bereits betroffen: Einer unserer Anschlussflüge wurde kurzfristig annulliert, und seitdem verfolgen wir die Entwicklung mit einer gewissen Nervosität.
Aber zumindest unser Boot nach Muang Ngoi hat noch genügend Treibstoff ergattert, und so tuckern wir langsam flussaufwärts auf dem Nam Ou durch eine wunderschöne Landschaft. Nach rund eineinhalb Stunden erreichen wir Muang Ngoi und schleppen unser Gepäck die Stufen vor dem Anlegepier hinauf. Unsere Unterkunft, das Rainbow House, das wir über booking.com gebucht haben, befindet sich zum Glück gleich am oberen Ende und bietet eine herrliche Aussicht auf den Fluss und die umliegenden Berge.

Als besonders hilfreich erweist sich Ut, unser Gastgeber. Er spricht nicht nur sehr gut Englisch, sondern organisiert auch selbst Führungen in die Umgebung, und so buchen wir gleich bei ihm einen Ausflug für den nächsten Tag.
Zunächst wollen wir aber das Dorf erkunden und spazieren vom Rainbow House zur nur zwei Minuten entfernten Walking Street, die parallel zum Fluss verläuft. War Nong Khiaw schon ruhig, so ist Muang Ngoi ein Paradies der Stille. Es gibt hier keine Autos und nur sehr wenige Motorräder, und so wirkt dieses Dorf am Ende der Welt wie ein Zeuge längst vergangener Zeiten.
Vor allem aber ist Muang Ngoi eines: authentisch und vom Tourismus weitgehend unberührt. Hier bekommt man eine Ahnung davon, wie das Leben für die Dorfbevölkerung in Laos wirklich ist: nämlich einfach und von harter Arbeit geprägt. Ein eindrucksvolles Beispiel dafür sind die jungen Burschen, die mit Eisenstangen und Gurten einen Motor für einen Einachstraktor die Stufen vom Pier zum Dorf hinaufschleppen.

Aber auch hier, am Rande der Welt, haben die Menschen ihre eigenen Vergnügungen: in wenigen Wochen soll in Nuang Khiaw eine große Rudermeisterschaft mit 22 teilnehmenden Booten stattfinden, und auch die Jugend von Muang Ngoi trainiert eifrig dafür. Jeden Abend kurz vor Sonnenaufgang ist die Mannschaft, die vor dem Dorf ihre Trainingseinheiten absolviert, mit den laut gerufenen Kommandos nicht zu überhören und zu übersehen.

Aber auch am Pier tut sich einiges. Wir beobachten eine Gruppe jugendlicher Mönche, die in ein Boot einsteigen – ganz offensichtlich handelt es sich um einen Schulausflug. Haben wir uns in den ersten Wochen in Südostasien noch gewundert, warum so viele männliche Kinder und Jugendliche das orange Mönchsgewand tragen, wissen wir inzwischen Bescheid: Viele Familien geben ihre Söhne ins Kloster, wo sie einerseits zu wohnen und zu essen bekommen und andererseits – und das ist der Hauptgrund – in die Schule gehen können. Für die Burschen ist dies oft die einzige Möglichkeit, eine Schulbildung zu erhalten, und dafür nehmen sie das vorübergehende Leben als Mönche gerne in Kauf.

Zurück im Dorf zeigt sich das Leben dann wieder von seiner ruhigen, alltäglichen Seite. Beidseits der Walking Street gibt es kleine Bars und Restaurants, dazwischen einige wenige Lebensmittelgeschäfte und Souvenirshops. Vor den Geschäften bieten die Leute Kleinigkeiten zu essen an, vereinzelt sieht man auch Frauen am Webstuhl. Und überall dazwischen laufen fröhliche Kinder herum, daneben sieht man friedlich herumstreunende Hunde und ab und zu auch einmal Hühner.


Doch bei aller Idylle sind wir müde, und so wollen wir nur schnell zu Abend essen und dann früh schlafen gehen. Das machen wir auch – und werden überrascht: Das Essen in dem einfachen Lokal (und der noch viel einfacheren Küche!) namens Chan Pheng ist hervorragend! Es schmeckt uns hier so gut, dass wir, ganz entgegen unserer sonstigen Gewohnheit, auch die nächsten beiden Abende in Muang Ngoi hier einkehren – und wir werden nie enttäuscht!

Am nächsten Tag wartet ein ganz besonderes Abenteuer auf uns – Dschungel, Fluss und mein erstes Mal im Kajak. Mehr dazu im nächsten Beitrag.
Unterkunft in Muang Ngoi
Wir haben im Rainbow House übernachtet – einfache, aber saubere Zimmer mit Blick auf den Nam Ou und perfekter Ausgangspunkt für Ausflüge in die Umgebung.
Wenn ihr dort übernachten wollt, könnt ihr euch die Unterkunft hier ansehen.
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