Am nächsten Tag heißt es früh aufstehen, denn gleich nach dem Frühstück startet unser Ausflug mit Ut, unserem Gastgeber. Mit einem kleinen Langboot fahren wir flussaufwärts, das Kajak, das wir vorne aufgeladen haben, setzen wir etwa auf halber Strecke auf einer Schotterinsel ab.
Die Fahrt am Fluss ist – wie schon die Anreise nach Muang Ngoi – wunderschön. Kein Boot weit und breit, und zu beiden Seiten des Ufers nur unberührte, malerische Natur und die nordlaotischen Berge. Ich könnte ewig so weiterfahren, aber nach rund einer Stunde legen wir an einer Sandbank an und steigen aus.

Nun beginnt der anstrengendere Teil des Tages: Die nächsten vier Stunden wandern wir durch dichten Dschungel. Zunächst geht es rund drei Stunden durch teils sehr felsiges Gebiet mehr oder weniger steil bergauf, und wir sind mehr als dankbar für die schattenspendenden Bäume, denn es hat fast 40 Grad im Schatten und der Schweiß rinnt uns in Strömen herunter.


Endlich erreichen wir den höchsten Punkt unserer Wanderung und gehen nun über offenes Weideland wieder bergab, bis wir schließlich wieder am Fluss ankommen – allerdings ein gutes Stück flussaufwärts. Zum Glück wartet dort bereits das Boot auf uns, um uns ans andere Ufer überzusetzen.
Dort befindet sich ein kleines Weberdorf namens Sop Chem, in dem wir zunächst unser Mittagessen einnehmen, bevor ich endlich die Weberinnen besuchen darf. Leider ist gerade Mittagspause, nur wenige Frauen trotzen der brütenden Hitze und sitzen trotzdem an ihrem Webstuhl. Mit einer von ihnen komme ich ins Gespräch, und sie erzählt mir, dass sie drei Tage an einem Schal arbeitet – und dafür gerade einmal vier Euro verlangt. Unglaublich, wenn man sich den Stundenlohn ausrechnet! Aber immerhin arbeitet sie für sich selbst – auf dieser Reise habe ich auch schon anderes erlebt …


Nun steht die Sonne bereits tief am Himmel, und es ist Zeit, die Heimreise anzutreten. Mit dem Langboot fahren wir zunächst zurück zur Schotterinsel, auf der wir unser Kajak zurückgelassen haben – und hier beginnt ein ganz besonderes Abenteuer für mich, denn ich bin noch nie zuvor Kajak gefahren.
Und so weiß ich nicht so recht, was ich tun soll, als ich mich viel zu schnell auf dem vorderen Platz des Kajaks wiederfinde. Fred sitzt hinter mir und hat ganz offensichtlich mehr Erfahrung als ich. Im Gegensatz zu mir weiß er nämlich, wie man die Paddel durchs Wasser zieht, um auch voranzukommen, und vor allem kann er eines: lenken. Wenn ich versuche, das Kajak auf Spur zu halten, drehe ich mich eher im Kreis, anstatt vorwärtszukommen – sehr zum Vergnügen von Fred.

Am schönsten ist das Kajakfahren für mich aber ohnehin, wenn wir uns ganz ruhig auf dem fast stillstehenden Fluss treiben lassen. Es herrscht völlige Stille, man hört absolut nichts außer dem Zikadengezirpe in den Wäldern – und dieses ist so laut, wie ich es noch nie erlebt habe. Außer uns ist kein weiteres Boot auf dem Wasser, und ich genieße die Ruhe und den Frieden.
Aber so langsam der Fluss auch fließen mag, wir kommen trotzdem vorwärts, und viel zu schnell sind die Hütten von Muang Ngoi wieder in Sichtweite. Nur ungern verlasse ich das Kajak, um die Stufen zu unserer Unterkunft hinaufzugehen.
Dort ziehen wir schnell unser patschnasses Gewand aus, tauschen es gegen Badezeug, laufen die Stufen zum Fluss wieder hinunter und stürzen uns endlich in das kühle Nass. Das ist nach dem vielen Schweiß des Tages einfach nur herrlich! Wir sind übrigens nicht die einzigen, die das so empfinden – auch die Dorfjugend genießt die abendliche Abkühlung im Fluss.

Am nächsten Tag wollen wir noch tiefer ins Umland eintauchen – zu abgelegenen Dörfern und einem Wasserfall, von dem uns schon so viel erzählt wurde. Was wir dort erleben, zählt für mich zu den eindrucksvollsten Erlebnissen unserer Reise. Davon erzähle ich im nächsten Beitrag.
Schreibe einen Kommentar