Ein mühsamer Start
Die Reise von der Insel Ko Pu nach Siem Reap ist lang und mühsam. Wir müssen zuerst mit dem TukTuk von unserem Bungalow zum Pier fahren, anschließend mit dem Longtailboot aufs Festland übersetzen und danach ein weiteres TukTuk zum Flughafen Krabi nehmen. Dort heißt es drei Stunden warten – was sich als überraschend anstrengend herausstellt, weil die andauernden Durchsagen zu den lautesten gehören, die ich jemals auf einem Flughafen gehört habe.
Der Flug nach Siem Reap ist kein direkter, sondern wir müssen in Bangkok umsteigen. Und als wir endlich am Zielflughafen landen, wartet noch eine weitere Stunde im Grab auf uns (so heißt das Uber-Pendant in Südostasien, das übrigens hervorragend funktioniert!). Als wir gegen 21 Uhr im Hotel einchecken, sind wir bereits seit rund 11 Stunden unterwegs – entsprechend müde und ziemlich erledigt.
Kein guter erster Eindruck
Kein Wunder also, dass Kambodscha für mich zunächst keine Liebe auf den ersten Blick ist. Ganz im Unterschied zu Thailand sind die Händler und auch die Betreiber der Garküchen deutlich offensiver – und mit dieser Art kann ich vor allem dann schwer umgehen, wenn ich ohnehin schon völlig erschöpft bin.
So schaffen wir es an diesem ersten Abend nicht einmal mehr, uns etwas zu essen zu bestellen, und begnügen uns mit einem Kokos-Shake. Diesen trinken wir allerdings in Rekordzeit aus, weil wir innerhalb weniger Minuten von Moskitos zerstochen werden.

Ziemlich desillusioniert gehen wir schlafen – nicht ahnend, dass die Nacht noch schlimmer wird.
Eine Nacht voller Moskitos
Auch unser Zimmer ist nämlich voller Moskitos. Das ständige Jucken, vor allem aber das penetrante Surren, lassen mich kaum ein Auge zutun. Am nächsten Morgen bin ich sogar – ganz gegen meine sonstige Art – wild entschlossen, keine weitere Nacht in diesem Zimmer zu verbringen.
Allerdings ändert sich meine Meinung rasch: Das freundliche Hotelpersonal kennt das Problem offenbar bereits und stattet uns kurzerhand mit Gelsensteckern aus. Problem gelöst.
Angkor Wat – überraschend menschenleer
Da wir so schlecht geschlafen haben und entsprechend spät in den Tag starten, fällt unser ursprünglicher Plan – Angkor Wat möglichst früh zu besuchen, um Hitze und Menschenmassen zu entgehen – ins Wasser.
Ohne große Erwartungen rufen wir ein TukTuk, das uns zu den berühmten Tempelanlagen bringt. Umso größer ist unser Staunen: Die Anlage ist fast menschenleer.



Wir schlendern durch die beeindruckenden Tempel, können alles in Ruhe ansehen – kein Gedränge, keine Wartezeiten, keine Hektik.
Lediglich die Hitze macht uns zu schaffen. Vor allem im Bakan, dem zentralen und heiligsten Bereich der Tempelanlage, den ich als Frau nur mit bedeckten Schultern betreten darf, komme ich ordentlich ins Schwitzen. Dafür werde ich mit einer atemberaubenden Aussicht über das gesamte Gelände belohnt, das aus dieser Höhe wie ein endloser Dschungel wirkt.

Rund zwei Stunden bewundern wir Angkor Wat, das mit einer Fläche von etwa 162 Hektar als das größte sakrale Bauwerk der Erde gilt. Erbaut im 12. Jahrhundert und bis heute nahezu durchgehend religiös genutzt, ist es außergewöhnlich gut erhalten. Umso erstaunlicher ist es, dass man als Besucher nahezu alle Bereiche frei betreten darf – lediglich besonders steile oder gefährliche Stiegen sind abgesperrt.
Der Dschungel holt sich die Tempel zurück
Neben Angkor Wat gibt es im Angkor Archaeological Park auf einer Fläche von rund 400 Quadratkilometern (!) über 1.000 weitere Tempel in unterschiedlichsten Erhaltungszuständen – ein wahres Paradies für Archäologen.
Da wir aber keine Archäologen sind und uns die Hitze doch ziemlich zusetzt, beschließen wir einstimmig, dass ein weiterer Tempel für heute mehr als ausreicht.
Unsere Wahl fällt auf Ta Prohm – vielen besser bekannt als „Tomb Raider Tempel“, in dem 2001 Szenen mit Angelina Jolie gedreht wurden. Doch nicht der Film ist der eigentliche Grund für unseren Besuch, sondern die beeindruckenden Bilder, die wir im Vorfeld gesehen haben.
Und wir werden nicht enttäuscht.
In „echt“ wirkt der Tempel noch viel märchenhafter als auf den Fotos. Da gibt es windschiefe Gebäude, bei denen man nicht versteht, warum sie nicht längst eingestürzt sind, Bäume, die Mauern umklammern, als wollten sie sie verschlingen, und Wurzeln, die wie riesige steinerne Adern über Türme und Fassaden kriechen.


Es wirkt, als hätte sich der Dschungel die Tempel langsam zurückerobert – und man hat das Gefühl, als wäre die Zeit an diesem Ort einfach stehen geblieben.
Zurück in die Gegenwart
Dass sie das nicht ist, merken wir spätestens, als wir die Tempelanlage verlassen: Wir sind völlig überhitzt, müde und ausgehungert.
Also beschließen wir, es mit der Kultur für heute gut sein zu lassen, und nehmen ein TukTuk zurück in die Stadt.
Das Restaurant, in dem wir schließlich landen, ist gleichzeitig eine Ausbildungsstätte für lokale Jugendliche. Es gibt viele solcher Initiativen in Siem Reap, und generell fällt uns auf, dass die Menschen hier deutlich besser Englisch sprechen als in Thailand. Ganz offensichtlich macht das Land – so arm es vielerorts auch wirkt – in diesem Bereich einiges richtig.

Ein besserer zweiter Tag
Unser zweiter Tag in Siem Reap beginnt dank der Gelsenstecker deutlich entspannter – und führt uns schließlich zu einem der heiligsten Orte Kambodschas: Phnom Kulen.
Warum sich dieser Ausflug absolut lohnt (und warum er ganz anders ist als Angkor), erzähle ich im nächsten Beitrag.

Schreibe einen Kommentar