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Ein Tag allein in Luang Prabang – und ein Fehler, der mich noch lange ärgern wird

Dass Luang Prabang die alte Königsstadt von Laos ist und als solche als einzige Stadt in Nordlaos vom unsinnigen Bombenhagel der 1960er- und 70er-Jahre verschont geblieben ist, haben wir bereits im Vorfeld gewusst. Doch als wir vom Boot aussteigen und die Stadt zum ersten Mal sehen, sind wir dennoch geflasht: Nach fünf Wochen Südostasien, in denen wir uns an die einfachen Häuser und windschiefen Hütten langsam gewöhnt haben, erscheint uns diese Stadt mit ihren wunderschönen und gut erhaltenen Kolonialbauten fast wie ein Paradies.

Dass die Stadt heute so wirkt, ist kein Zufall: Luang Prabang war lange Zeit das kulturelle und religiöse Zentrum des Landes und stand ab dem späten 19. Jahrhundert unter französischer Kolonialherrschaft. Die Franzosen machten die Stadt zur Hauptstadt ihres Protektorats Laos und prägten das Stadtbild nachhaltig. Viele der eleganten Gebäude stammen aus dieser Zeit, meist aus den Jahren zwischen etwa 1890 und 1940. Besonders spannend finde ich, wie sich hier die europäische Kolonialarchitektur mit traditionellen laotischen Elementen vermischt. Genau diese Mischung macht den besonderen Charme der Stadt aus.

Seit 1995 gehört Luang Prabang zum UNESCO-Weltkulturerbe – ein Titel, der dafür sorgt, dass das einzigartige Zusammenspiel aus kolonialer Architektur und buddhistischer Tradition bis heute weitgehend erhalten geblieben ist.

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Luang Prabang mit seinem einzigartigen Mix aus buddhistischen Tempeln und gut erhaltenen Kolonialbauten ist seit 1995 UNESCO-Weltkulturerbe.

Auch unser Hotel, die Villa Nagara, befindet sich in einem solchen Bau aus der französischen Kolonialherrschaft im frühen 20. Jahrhundert. Hier ist alles noch originalgetreu und gut erhalten, auch die Einrichtung! Noch dazu sind es von hier nur wenige Schritte in die wunderschöne Altstadt und wir werden unglaublich freundlich empfangen – wir sind begeistert! Gebucht haben wir das Hotel übrigens wie so oft über Booking.com – ich verlinke es dir hier, falls du auch einmal hier übernachten möchtest.

Aber vor allem sind wir müde von der Anreise, und so wollen wir nur noch schnell etwas essen gehen und dann schnell ins Bett. Auf Empfehlung von Adam, dem netten Rezeptionisten, landen wir in einem Lokal ganz in der Nähe, das so beliebt zu sein scheint, dass wir Glück haben, den letzten Platz zu ergattern. Sehr zu meiner Freude bietet das Lokal auch vegane Speisen an, sogar ein komplettes veganes Menü für zwei Personen mit typisch laotischen Speisen, für das wir uns letztlich auch entscheiden.

Das Essen schmeckt zwar durchaus ungewöhnlich, aber durchaus lecker, und so essen wir mit großem Appetit alles auf. Im Nachhinein ein Fehler – denn mitten in der Nacht springt Fred aus dem Bett und erwischt gerade noch das WC, wo er das ganze Essen wieder von sich gibt. Der Arme! Am nächsten Morgen ist ihm zwar nicht mehr schlecht, aber er ist ganz heiß vor Fieber und alles tut ihm weh. Zum Frühstück begleitet er mich zwar, aber er kann nicht einmal den Kaffee riechen – und das ist bei ihm wirklich ein schlechtes Zeichen.

Da er am liebsten in Ruhe schlafen möchte, mache ich mich also alleine auf den Weg, um Luang Prabang zu erkunden. Wundersamerweise bin ich von der Lebensmittelvergiftung verschont geblieben, obwohl ich exakt das gleiche gegessen habe wie Fred. Zwar habe ich nicht wirklich Lust, aber da ich ihm versprochen habe, ihm zumindest Fotos der Stadt zu zeigen, lasse ich mich schließlich doch dazu überreden.

Die Sisavangvong Road, die gleichzeitig das Zentrum der Stadt darstellt, ist nur eine Gehminute von unserem Hotel entfernt und ich beginne sie zu erkunden. Das macht alleine nicht wirklich Spaß, hat aber immerhin den Vorteil, dass ich nach Herzenslust in all den netten Boutiquen entlang der Straße herumbummeln kann.

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Die Hauptstraße von Luang Prabang ist ruhig, charmant und erstaunlich gepflegt.

Neben den Boutiquen gibt es hier auch zahlreiche Lokale und wunderschöne Kaffeehäuser, wie ich sie in Südostasien bisher noch nicht gesehen habe. Ich komme vorbei am königlichen Museum (dem ehemaligen Königspalast, der heute als Museum genutzt wird und einen Einblick in das Leben der laotischen Königsfamilie gibt), kann mich aber bei der Hitze nicht dazu aufraffen, es zu besichtigen, und gelange schließlich zum Morgenmarkt. Hier werden allerlei Delikatessen der Region angeboten: Neben Chilisaucen und Nüssen gibt es hier unter anderem knusprigen Seetang aus dem Mekong (den ich zwar durchaus gerne kosten würde, auf den ich aber angesichts des stark verschmutzten Mekong doch lieber verzichte), getrocknete Jackfrucht (die ich zwar kaufe, mich aber bis jetzt noch nicht getraut habe zu probieren) und die leckeren großen Cashewnüsse, die ich bereits aus Kambodscha kenne und liebe.

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Der ehemalige Königspalast – heute ein Museum und Teil des UNESCO-Welterbes.
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Der Morgenmarkt ist ein Mix aus exotischen Spezialitäten und gewöhnungsbedürftigen Gerüchen.

Bald wird mir der Geruch auf dem Morgenmarkt jedoch zu viel und ich mache mich auf ans andere Ende der Sisavangvong Road. In der mittlerweile brütenden Hitze spaziere ich ohne rechte Lust bis zum Zipfel der Halbinsel, die vom Mekong und vom Nam Khan gebildet wird, und staune unterwegs über die Struktur der Straße: Auf der einen Seite reiht sich ein als Souvenirladen oder Lokal genutzter Kolonialbau an den anderen, auf der anderen Seite zeigt sich das gleiche Bild mit Klöstern. Unglaublich, wie viele Mönche hier leben müssen!

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Auf der einen Straßenseite von Luang Prabang reiht sich ein Tempel an den anderen.
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Zwischen Mekong und Nam Khan – Luang Prabang liegt eingebettet zwischen zwei Flüssen.

Aber bei allem Staunen spüre ich meine Erschöpfung und auch meinen Hunger immer stärker. Alleine mag ich nichts essen gehen und so kaufe ich an einem Stand am Ende der Straße nur einen Mango-Smoothie, um mich ein wenig zu stärken. Und dann befinde ich, dass ich nun lange genug eine brave Touristin war und flüchte zurück ins kühle Hotelzimmer – nicht zuletzt, um dort nach meinem Patienten zu sehen.

Dieser ist noch immer fiebrig heiß und müde. Und so halten wir beide ein bisschen Siesta, bis mich Hunger und Tatendrang wieder nach draußen treiben. Ich beschließe, den Rest des Nachmittags in einem kleinen Café gleich um die Ecke unseres Hotels zu verbringen und dort nicht nur eine Kleinigkeit zu essen, sondern vor allem einiges an längst fälliger Arbeit zu erledigen und an meinem Blog zu schreiben. Die Atmosphäre im Café ist gut, auch die anderen Kunden arbeiten an ihren PCs, und ich komme gut voran.

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Ein bisschen Arbeit, ein bisschen Pause – und endlich wieder Klimaanlage!

Richtig groß ist meine Freude, als schließlich auch Fred auftaucht und sogar ein Schinkensandwich bestellt – sein erstes Essen seit dem unglücklichen veganen Menü vom Vorabend. Aber er hat immer noch Fieber und flüchtet anschließend rasch wieder ins Hotelzimmer.

Inzwischen ist es früher Abend geworden und mich zieht es jetzt auf den Nachtmarkt. Hier kann ich jetzt – bei allem Mitleid mit Fred – nach Herzenslust flanieren und mir alles ganz genau anschauen und auch das eine oder andere Souvenir erstehen. Am meisten begeistert mich das Teegeschäft gegenüber vom königlichen Museum, in dem es die berühmten Tees aus Phongsaly in Nordlaos gibt, von denen ich schon so viel gelesen habe. Zu meiner Begeisterung gibt es hier sowohl Tees von wilden, jahrhundertealten Teebäumen im Wald als auch den berühmten, zu Zigarren geformten Grüntee aus Phongsaly, der in Bambus fermentiert wird. Glücklich koste ich mich durch die Vielfalt und verlasse das Geschäft mit einer angesichts meines beschränkten Gepäcks absolut unvernünftigen Menge an Tee – aber irgendwie wird sich’s schon ausgehen …

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Nach der brütenden Hitze des Tages erwacht die Stadt am Abend zu neuem Leben.
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In dem Teegeschäft gibt es zu meiner großen Freude auch die berühmten Teezigarren aus Phongsaly!

Am nächsten Tag geht es Fred zum Glück wieder besser und so beschließt er nach dem Frühstück, vor unserer Abreise aus der Stadt noch zum Friseur zu gehen. Auf Maps hat er einen Friseur an der Uferstraße gefunden – allerdings müssen wir eine Weile suchen, bis wir das winzige Hüttchen, das nur über eine Leiter erreichbar ist und direkt über dem Mekong thront, finden! Die Suche macht sich aber bezahlt: Nach einer halben Stunde kommt ein wunderschöner, frisch rasierter Fred mit fetziger Modefrisur die Leiter hochgeklettert!

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Ein Friseur mit Aussicht auf den Mekong

Allerdings ist er jetzt doch wieder ein wenig erschöpft, und so beschließen wir, dass wir mit Luang Prabang durch sind. Unsere letzten zwei Stunden in dieser schönen, aber backofenheißen Stadt verbringen wir essend und arbeitend in einem netten Lokal an der Sisavangvong Road, ehe wir uns mit einer TukTuk-Fahrt zum Flughafen von Luang Prabang verabschieden.

Und erst am nächsten Tag, in Hanoi, werde ich draufkommen, dass ich in Luang Prabang auf einen der Höhepunkte der gesamten Reise einfach vergessen habe: den Almosengang. Jeden Morgen ziehen hier noch vor Sonnenaufgang hunderte Mönche barfuß durch die Straßen und sammeln Spenden von der Bevölkerung – ein stilles, beeindruckendes Ritual, auf das ich mich seit Wochen gefreut hatte. Dass mir das entgangen ist, ärgert mich noch lange. Ich schiebe es auf die Hitze, auf Freds Krankheit und darauf, dass ich an diesem Tag irgendwie neben mir gestanden bin – aber ganz ehrlich: verstehen kann ich es bis heute nicht.

Für mich war Laos das Land unserer bisherigen Reise, das mich am meisten berührt hat – ich bin nicht sicher, ob wegen seiner Einfachheit, seiner freundlichen Leute oder wegen der spannenden Dörfer, die wir hier besucht haben. Doch nun freue ich mich schon auf unser nächstes Ziel, nämlich Vietnam – ein Land, das uns noch einmal ganz neue Eindrücke und einen völlig anderen Rhythmus versprechen soll. Was wir dort erlebt haben, kannst du in meinem nächsten Blogbeitrag nachlesen.

Für mich war Laos das Land unserer bisherigen Reise, das mich am meisten berührt hat – ich bin nicht sicher, ob wegen seiner Einfachheit, seiner freundlichen Leute oder wegen der spannenden Dörfer, die wir hier besucht haben. Doch nun freue ich mich schon auf unser nächstes Ziel, nämlich Vietnam – ein Land, das uns noch einmal ganz neue Eindrücke und einen völlig anderen Rhythmus versprechen soll. Was wir dort erlebt haben, kannst du in meinem nächsten Blogbeitrag nachlesen.


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